Gegen den sexistischen "Normal"zustand! http://jetztreichts.blogsport.de Thu, 11 Feb 2016 14:52:12 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Gelesen: „Fleischmarkt“ von Laurie Penny http://jetztreichts.blogsport.de/2016/02/11/gelesen-fleischmarkt-von-laurie-penny/ http://jetztreichts.blogsport.de/2016/02/11/gelesen-fleischmarkt-von-laurie-penny/#comments Thu, 11 Feb 2016 14:52:12 +0000 Administrator Allgemein http://jetztreichts.blogsport.de/2016/02/11/gelesen-fleischmarkt-von-laurie-penny/ Laurie Penny hat mit „Fleischmarkt“ vor ein paar Jahren eine feministische Abrechnung vorgelegt. Sie selbst schreibt:
Dieses schmale Buch ist der Versuch, einige der Strategien aufzuzeigen, mit denen die Frauenkörper im Spätkapitalismus entmachtet und kontrolliert werden.

(Seite 9)

Penny geht auf die Verdinglichung und Selbstverdinglichung von Frauen* ein. Frauen* werden im „patriarchalen Kapitalismus“ (Penny) zu einem ‚Objekt‘ oder ‚Ding‘ gemacht. Sie erwerben damit nach Baudrillard erotisches Kapital. Doch selbst wenn das gelingt, so ist es nur eine Zeit lang möglich.
Penny ist es dabei wichtig zwischen sexueller Intimität und erotischen Kapital zu unterscheiden.
Denn im kapitalistischen Patriarchat ist Sexualität nur eine entfremdete Sexualität:

Was uns umgibt, ist nicht Sex an sich, sondern die Illusion von Sex, eine Airbrush-Fantasie von Sexualität mit erzwungenem Spaßfaktor, die so steril wie unbarmherzig ist.

(Seite 22)
Besonders stark kommt das in der Mainstream-Pornografie zum Ausdruck. Dessen kapitalistischen Charakter beschreibt sie mit eindrücklichen Worten:

Die vom Spätkapitalismus geprägten formalen Regeln der Pornografie sind der Dreh- und Angelpunkt der modernen sexuellen Gefühllosigkeit: eine endlose Parade von rumpflosen Schwänzen, die in irgendwelche Löcher eindringen, eine freudlose, industrialisierte Sexualität mit fließbandmäßig pumpenden Kolben, die ständig darum bemüht ist, neue gesteckte Grenzen des »Hardcore« in Geld zu verwandeln, mehr Wichse zu melken, Analmuskeln weiter zu dehnen und Körperöffnungen zur doppelten, dreifachen, vierfachen Menge an gesichtslosen Genitalfleisch zu öffnen.

(Seite 28)

Auch dem Thema Sexarbeit widmet sich Penny in einem Abschnitt. Sie weist dabei auf die Ironie der Tabuisierung von Sexarbeit im Kontrast zur sexistischen Werbung hin:

An Ironie kaum zu überbieten in den Geschlechterinszenierungen der westlichen Welt ist nämlich die Tatsache, dass der Verkauf von Sex nach wie vor in einer dunklen Unterwelt des sozialen Tabus, der kriminellen Machenschaften und der Gewalt stattfindet, während der sexualisierte Verkauf allgegenwärtig ist.

(Seite 37)

Ein weiterer Abschnitt widmet sich den Essstörungen, die vor allem Frauen* und Mädchen* im Westen betreffen:

Der Triumph des freiwilligen Hungerns ist die größte Niederlage des Feminismus in der westlichen Welt.

(Seite 47)
Penny hat hier selber entsprechende Erfahrungen gemacht. Sie beschreibt ihre Selbsternächtigung:

Erst nachdem ich anfing zu akzeptieren, dass mein Wert als Person nichts damit zu tun hat, wie mein Körper für andere Menschen aussieht, erlaubte ich mir, den Raum zu nehmen, den ich brauchte, und die Macht zu entwickeln, nach der ich mich so sehnte.

(Seite 68)
Sie widerspricht der Annahme, dass Esstörungen nur auf vorherrschende Schönheitsbilder zurückzuführen sind. Zum Teil geht es auch um Selbstbestrafung oder Unsichtbarkeit-werden.
Frauen* oder Mädchen*, die körperliche Geschlechtsmerkmale versuchen wegzuhungern oder die sich vor den Nachstellungen von Männern unsichtbar hungern wollen. Nicht ohne Grund, sind laut Penny etwa 25% aller Frauen und 50% aller Männer mit Essstörungen nicht heterosexuell.

Ebenfalls kritisch widmet sich Penny dem Thema (weibliche) Hausarbeit. Obwohl diese unsichtbar ist, dabei ist sie eine notwendige Basis des patriarchalen Kapitalismus:

In Wirklichkeit ist Hausarbeit überhaupt nicht trivial. Ohne die Arbeit, die Frauen umsonst leisten, würde jede westliche Ökonomie innerhalb weniger Tage kollaborieren.

(Seite 95)

Gut ist, das Penny auch Klasse als Kategorie in ihre Kategorie einfließen lässt. Das Buch von Penny ist wütend, ehrlich und überaus lesenswert und das für alle Gender.

Laurie Penny: Fleischmarkt, Hamburg 2012.

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„fluter“-Ausgabe zum Thema „Geschlechter“ http://jetztreichts.blogsport.de/2016/02/11/fluter-ausgabe-zum-thema-geschlechter/ http://jetztreichts.blogsport.de/2016/02/11/fluter-ausgabe-zum-thema-geschlechter/#comments Thu, 11 Feb 2016 14:49:32 +0000 Administrator Allgemein http://jetztreichts.blogsport.de/2016/02/11/fluter-ausgabe-zum-thema-geschlechter/ Die Ausgabe Winter 2015/2016 von „fluter“, dem kostenlosen Magazin der „Bundeszentrale für politische Bildung“ widmet sich dem Thema „Geschlechter“.
Obwohl ein Regierungsprodukt, sind „fluter“ in den letzten Jahren immer wieder spannende Ausgaben erschienen. Stellenweise hatte man den Eindruck, dass sich ein paar kritische linke Geister in die Redaktion eingeschlichen haben.

So liest sich auch diese Themen-Ausgabe sehr spannend. Da wird über die soziale Produktion der Kategorie Geschlecht diskutiert. Die Texte zu Alice Schwarzer und den Femen erscheinen etwas unkritisch, dafür gibt es aber z.B. einen spannenden Artikel über Transpersonen in Argentinien. Die*der Leser*in erfährt das Transpersonen in Argentinien im Durchschnitt nur 35 Jahre alt werden, statt 78 Jahre wie im Bevölkerungsdurchschnitt. Trotz Verfolgung und Alltagsdiskriminierung gibt es aber im öffentlichen Dienst in der Provinz Buenos Aires die weltweit bisher einzigartig Transquote von 1%.

An anderer Stelle wird der Bechdeltest auf die bisher erfolgreichsten Filme in Deutschland angewandt und es gibt auch einen unaufgeregten Artikel über Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache.

Auch Berufswahl und Geschlecht werden genauer betrachtet. So verteilt sich die Hälfte aller weiblichen Azubis auf zehn Berufe, die zumeist eher schlecht bezahlt sind. Während aber Frauen in ‚Männerjobs‘ (z.B. Professorinnen oder Managerinnen) häufig von der berühmten „gläsernen Decke“ gestoppt werden, ist es bei Männern in ‚Frauenjobs‘ genau anders herum. Statt einer „gläsernen Decke“ existiert hier ein „gläserner Fahrstuhl“, der ihre Karriere beschleunigt.

Sara Geisler schreibt in „erstmal fragen“ über die Geschlechter-Apartheid in Saudi-Arabien:

Um arbeiten zu dürfen, brauchen Frauen in Saudi-Arabienm die Genehmigung eines männlichen Vormunds, egal ob Ehemann, Vater oder Bruder. Ohne dessen schriftliches Einverständnis darf eine saudische Frau weder ihren Pass erneuernnoch ins Ausland reisen, weder zum Arzt gehen noch ihr Kind behandeln lassen. Sie darf nicht studieren, kein Konto eröffnen und keinen Miet- oder Handyvertrag unterschreiben.

Interessant ist das Experiment aus einer Ausgabe des Spiegel-Magazins alle Bilder von Menschen auszuschneiden und nach (angenommenen) Geschlecht zu sortieren. Bei der Betrachtung fällt auf, dass auch über das Medium Bild Geschlechterstereotype reproduziert werden. Frauen* werden über ihr Äußeres vorgestellt, also leicht bekleidet oder mit Kopftuch. Männer* dagegen seriös und häufig im Anzug.

Der Artikel „Was wir nicht sehen“ von Khola Maryam Hübsch widmet sich dem Bild der deutschen Mehrheitsgesellschaft auf ‚den Islam‘ und dem Frauenbild im Islam. Der erste Abschnitt zum erwähnt kritisch den antimuslimischer Rassismus und den damit verbundenen (Anti-)Sexismus. Gemeint ist das rassistische Stereotyp vom „muslimischen Mann“, der die „deutsche Frau“ bedrohe.
Die Autorin weist darauf hin, dass sich hier das Stereotyp vollends gewandelt hat. Denn bis in die 1960er Jahre standen sich noch das prüde Christentum und der vermeintlich dekadente Orient (Haremserotik) gegenüber. Nun ist es angeblich der prüde Orient der dem dekadenten Westen gegenübersteht.
Der zweite Text-Abschnitt gerät leider reichlich seltsam. In ihm versucht die Autorin einen muslimischen Feminismus zu begründen. Da heißt es dann:

Mohammed, der Prophet des Islam, versuchte trotz heftigen Widerstandes die Unterdrückung der Fraue zu bekämpfen.

Zur Begründung dieser steilen These wird ein Koran-Zitat angeführt und auf seine erste Frau, eine eigenständige Kauffrau verwiesen. Seine zweite Frau, Aischa, die er laut islamischer Geschichtsschreibung, bereits als Minderjährige ehelichte, erwähnt die Autorin lieber nicht. So wird versucht aus einer patriarchal geprägten Religion durch selektive Rezeption und eingewillige Interpretation etwas herauszulesen, was in den Texten einfach nicht drin ist. Wie das Christentum, der Buddhismus und 98% aller Religionen ist auch der Islam in seinen Ursprüngen und den Texten eindeutig eine patriarchal geprägte Religion.
Religion ist aber immer was daraus gemacht wird. Dass heißt es kann auch eine emanzipierte, moderne Auslegung geben. Aber diese können meist nicht aus den theologischen Schriften abgeleitet werden, bzw. nur mit allerhand Verrenkungen und sehr eigenwilligen Deutungen. Die Versuche das trotzdem so tun, um sich zu legitimieren sind verständlich, aber besonders logisch wird diese Interpretation dadurch trotzdem nicht.
Aus dem Koran Feminismus herauszulesen wirkt ebenso bemüht und konstruiert wie Homosexuellenfreundlichkeit aus der Bibel oder Umweltschutz aus den Schriften von Marx. Es sind Rückprojektionen auf alte Texte, bei denen in diese Themen hineingelesen werden, die zur Entstehungszeit der Texte einfach keine Rolle spielten. Mohammed war einfach kein Vorkämpfer von Emanzipation, sondern wie jeder andere Mann seiner Zeit ein Patriarch, was sich selbstverständlich auch in seien Schriften (Koran) und Aussagen (Hadithen) abbildet. Das muslimische Männer vier Frauen haben dürfen oder das die Zeugenaussage einer Frau laut Koran nur halb so viel wert ist wie die eines Mannes, sind da nur mal zwei Beispiele.

Artikel über Sexismus und Kapitalismus und die Frauenbrigaden der YPG, des syrischen PKK-Ablegers, runden die Ausgabe ab.

Trotz des problematischer Abschnitte ist diese „fluter“-Ausgabe eine empfehlenswerte Lektüre, zumal sie umsonst ist. Viele Begriffe oder Analysekategorien werden nicht als bekannt vorausgesetzt, sondern nochmal erklärt. Das erhöht die Leser*in-Freundlichkeit ungemein.

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„Unsagbare Dinge“ – eine feministische Streitschrift von Laurie Penny http://jetztreichts.blogsport.de/2015/05/28/unsagbare-dinge-eine-feministische-streitschrift-von-laurie-penny/ http://jetztreichts.blogsport.de/2015/05/28/unsagbare-dinge-eine-feministische-streitschrift-von-laurie-penny/#comments Thu, 28 May 2015 09:02:30 +0000 Administrator Allgemein http://jetztreichts.blogsport.de/2015/05/28/unsagbare-dinge-eine-feministische-streitschrift-von-laurie-penny/ Es gibt so Bücher, von denen möchte mensch einen Stapel erwerben, mit sich herumschleppen und bestimmten Personen ein Exemplar davon Zeugen-Jehovas-mäßig mit den Worten „Lies das dochmal!“ in die Hände drücken. Vielleicht ist der Glaube an die Veränderbarkeit der Menschen durch einzelne Bücher naiv, trotzdem bekam ich diese Bücherverteilungs-Idee bei der Lektüre von „Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“ von Laurie Penny. Ihre 2015 auf Deutsch erschienene feministische Streitschrift ist authentisch, wütend und kompromisslos. So schreibt sie auch gleich am Anfang:

„Dies ist kein Märchen.
Dies ist eine Geschichte darüber, wie Sex, Geld und Macht Mauern um unsere Fantasie errichten. Es handelt davon, wie unser Geschlecht unseren Träumen Zügel ankegt. Die wichtigsten politischen Schlachten der Menschheitsgeschichte wurden auf dem Gebiet der Fantasie geschlagen, und welche Geschichte wir uns zu erzählen erlauben, hängt davon ab, was wir uns vorstellen können.“ (Seite 9)

Was das Buch auch so lesenswert macht sind seine literarischen Qualitäten. Etwa wenn sie schreibt:

„Der Neoliberalismus kolonisiert unsere Träume. Er frisst unsere Freiheitsideale und spuckt sie als Strategien der Sozialkontrolle wieder aus.“ (Seite 11)

Stellenweise schimmert bei der Autorin trotz aller Wut auch immer wieder Humor durch:

„Seit fünfzig Jahren predigt das Patriarchat den Frauen sie sollten wieder in die Küche gehen, erst mit echter Wut, dann in einem ironischen, scheinbar witzig gemeinten Krypto-Sexismus: Geh wieder in die Küche, und schmier uns ein Brot, Liebes. Die Männer, die so darauf aus sind, dass Frauen und Mädchen wieder in die Küche gehen, sollten sich mal überlegen, was wir da womöglich anzetteln könnten. In der Küche kann man sich ziemlich schlimme Sachen ausdenken. Da bewahren wir auch die Messer auf.“ (Seite 24)

Penny kritisiert auch den weißen Mittelschichts-Feminismus, der sich nur an bestimmte Frauen* richtet:

„Man hat uns angelogen. Frauen meiner Generation wurde erklärt, wir könnten »alles haben«, solange »alles« Ehe, Baby, eine Karriere im Finanzwesen, ein Schrank voller schöner Schuhe und völlige Erschöpfung war und solange wir reich, weiß, hetero und artig waren. Für einen solchen Lebensstil braucht man natürlich eine Armee von Kindermädchen und Putzfrauen, und niemand hat sich bisher die Mühe gemacht zu fragen, ob auch sie »alles haben« können.“ (Seite 14-15)

Deswegen ist Feminismus für Penny keine Reformbewegung, sondern eine soziale Revolution:

„Feminismus ist eine soziale Revolution und eine sexuelle Revolution, und Feminismus gibt sich keinesfalls mit der Missionarsstellung zufrieden.“ (Seite 24-25)

In einem der Buchkapitel kritisiert Penny die Suche nach dem „perfekten Mädchen“, ein Konstrukt im Westen, was beständig reproduziert wird:

„Das perfekte Mädchen ist ein unbeschriebenes Blatt, mit gerade soviel Persönlichkeit, dass einer sie für interessant genug hält, mit ihr ins Bett zu gehen. Seit Generationen behandeln männliche Autoren, Arbeitgeber und Liebhaber die Persönlichkeit eines Mädchens als Schmuck und nicht als Ausdruck ihrer Handlungsfähigkeit.“ (Seite 61)

Penny bezeichnet das auch als „Prinzessinenpropaganda“.
Für Frauen* fungiert, wie Penny feststellt, Schönheit als „soziales Kapital“ oder „erotisches Kapital“. Dieses gilt es sich anzueignen und zu bewahren. Wer versagt oder sich dem verweigert, der wird schnell eine „Anpassungsstörung“ diagnostiziert.

Auch ihre Ausführungen zum Thema Cybersexismus sind treffend. Entgegen früherer Hoffnungen entpuppte sich das Internet nämlich ganz und gar nicht als Raum jenseits von Geschlechterrollen. Frauen* und Mädchen*, die das thematisieren, problematisieren und kritisieren, werden Opfer sexistischer shitstorms:

„Im Jahr 2011 schrieb ich, die Meinung einer Frau sei der Minirock des Internets: Wenn sie einen hat und es wagt, ihn in der Öffentlichkeit zu zeigen, hat sie sich jede Beleidigung, die ihres Weges kommt, wahrlich verdient – sie hat es geradezu herausgefordert.“ (Seite 197)

Auch das Thema Sex behandelt sie in einem Kapitel. Hier ist einer der Unterschiede zu altfeministischen Haltungen a la Alice Schwarzer zu finden. Für Penny ist beim Thema Porno nicht Sex das Problem, sondern der Sexismus.
Interessant ist auch die Haltung von Penny beim Thema Vergewaltigungskulturen und patriarchale Überwachung. Hier weist sie daraufhin, dass auch der gutgemeinte Schutz und die Tipps von Männern*, Frauen* und Mädchen* in ihrer Bewegungsfreiheit einengen.

Interessant ist auch, wie sie auch für die Gegenwart, in modernisierten Geschlechterbildern die ungleiche Rollenverteilung herausarbeitet:

„Dennoch sind für Männer die Grenzen zwischen Liebe und Arbeit klar gezogen. Für Männer soll Liebe die Belohnung sein, die sie für ihre Arbeit bekommen; für Frauen soll Liebe Arbeit sein.“ (Seite 243)

Besonders kritisiert sie die Fürsorgearbeit von Frauen* für Männer*:

„Vor dreißig Jahren war es völlig selbstverständlich, dass Frauen nach jeder Zusammenkunft den Abwasch machten. Heute dürfen wir den emotionalen Schmutz des modernen Lebens abwaschen – und der Spätkapitalismus versorgt uns mit einem nicht enden wollenden Nachschub an schmutzigem Geschirr.“ (Seite 246)

Diese Fürsorgearbeit betrifft auch eine Gruppe, die sie als „verlorene Jungs“ bezeichnet. Das sind Männer* die mit den an sie gerichteten Maskulinitäts-Vorstellungen nicht klar kommen. Trotzdem plädiert sie hier für einen gewissen Egoismus. Denn Frauen* müssen in Beziehungen sonst immer zuerst den Partner retten und finden so für ihre eigenen Probleme nur noch wenig Zeit.
Denn im Grunde haben nur weiße Hetero-Männer* im Westen sowohl das „Privileg der Rebellion“, als auch das der Verzweiflung.

Empfehlung: Lies das dochmal!

Laurie Penny: Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution, Hamburg 2015.

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Biss zur Emanzipation ist es noch weit http://jetztreichts.blogsport.de/2015/03/04/biss-zur-emanzipation-ist-es-noch-weit/ http://jetztreichts.blogsport.de/2015/03/04/biss-zur-emanzipation-ist-es-noch-weit/#comments Wed, 04 Mar 2015 13:56:18 +0000 Administrator Allgemein http://jetztreichts.blogsport.de/2015/03/04/biss-zur-emanzipation-ist-es-noch-weit/ Die Twilight-Buchserie von Stephenie Meyer und ihre Verfilmungen sind auch in der Bundesrepublik sehr populär. Die Story spielt im Staat Washington in den Vereinigten Staaten in der Gegenwart. Bella, eine 17-jährige Schülerin, lernt Edward, er gehört zu einer Familie von quasi ‚vegetarischen‘ Vampiren, die sich nur von Tierblut ernähren und Menschenblut ablehnen, kennen. Sie werden ein Paar und haben mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Erfahrungen zu kämpfen. Soweit ist die Geschichte nichts Neues, das Grundschema findet sich ja bereits in Bram Stockers „Dracula“.
Meyer fügt noch eine weitere Figur hinzu, nämlich Jacob, der Native American ist und nach einiger Zeit feststellt dass er eine Art Antivampir-Werwolf ist. Jacob ist in Bella verliebt und versucht ihre Zuneigung zu gewinnen, wobei Bella aber in Edward verliebt ist und Jacob nur als guten Freund betrachtet.
Das Ganze ist so kitschig wie ein Arzt-Roman, wenn auch besser geschrieben. Es gab immer wieder auch Kritik an den darin vertretenen Geschlechterrollenbildern in dem Roman. Zu Recht! Wer sich einmal die Bücher mit kritischen Blick durchliest, die/der stößt auf ein überholtes Rollenbild beider Geschlechter.
Im Folgenden soll das kurz am Beispiel von „Biss zur Mittagsstunde“ von Stephenie Meyer, dem zweiten Teil der Serie, ausgeführt und mit Beispielen unterlegt werden.

Die Figur von Bella stellt sich in „Biss zur Mittagsstunde“ als eine unselbstständige Person dar, die beständig von Edward und Jacob bevormundet wird. Besonders die Beziehung zu Edward ist keinesfalls gleichberechtigt. Er ist der Ältere und Erfahrenere und scheint sich deshalb herauszunehmen, sie bestimmen zu können. Das fängt schon bei normalen Gesprächen an:

„“Ich hole sie gleich nach der Schule von zu Hause ab“. Er ignorierte mich einfach. „Edward bitte!“, begann ich. Aber er legte mir einen Finger auf die Lippen. „Lass uns später darüber reden, wir kommen zu spät zum Unterricht.““

Natürlich liebt Edward Bella, aber manchmal hat mensch eher den Eindruck er liebt Bella als Objekt und nicht als Subjekt.
So gilt es für ihn als Älteren und wesentlich Stärkeren ständig Bella zu beschützen: „Edward war kalkweiß als er sich umdrehte und schützend über mich warf.“
Die/der Leser*in könnte einwerfen, dass ja Bella tatsächlich viel schwächer und unerfahrener sei. Doch als Autorin, hat Meyer das so in ihrer Story konstruiert. Sie hätte Bella auch als eigenständige Frau mit eigenen Fähigkeiten entwerfen können. Stattdessen ist Bella nur die folgsame Freundin: „Er hielt mir die Beifahrertür auf und ich stieg widerspruchslos ein.“ Ihre individuellen Wünsche werden von Edward ignoriert: „Er wartete meine Antwort erst gar nicht ab.“
Ständig bevormundet und hilft Edward Bella, auch da wo es nicht notwendig ist: „Er nahm mir die Schultasche ab, das war normal.“
Viele Menschen würden dieses Verhalten nur als höflich empfinden und nicht als Bevormundung oder gar Sexismus. Doch Frauen* z.B. immer die Türe aufzuhalten, nur weil sie Frauen* sind, markiert sie als per se schwächer. Da mag das noch so höflich erscheinen, transportiert aber die Botschaft: Ich als stärkerer Mann* halte Dir als schwächere Frau* die Tür auf. Ansonsten wird die Tür ja nur tatsächlich nur Schwächeren oder Unbeholfenen aufgehalten, z.B. Senioren oder Kinderwagen-Fahrer*innen. Dieser in Höflichkeit gehüllte Sexismus ist trotz seiner Nettigkeit eine Form von Sexismus.
Bella ist Edward derart hoffnungslos verfallen, dass sie all das hinnimmt. Die wenige Versuche selbstständig zu agieren scheitern, so heißt es an einer Stelle: „Das sollte wütend klingen, aber es klang nur flehend.“
Im Verlauf von „Biss zur Mittagsstunde“ verschwindet Edward irgendwann und die Beziehung zu Jacob wird stärker, auch wenn Bella Edward treu bleibt.
Jacob respektiert die Grenzen von Bella ebenfalls nicht wirklich: „Bei seinen Worten wich ich zurück, aber er verstärkte seinen Griff.“ Die Autorin löst diese Situation, in dem sich herausstellt, dass Jacob Bella überzeugen kann, also im Grunde Recht hatte sie kurz mit Gewalt festzuhalten.
Auch für Jacob ist Bella eher „Bella-Schatz”, als eine eigenständige Person.
Zwar ist Edward andernorts, aber er kann im Fall einer Gefahr telepathisch mit Bella kommunizieren. Diese Fähigkeit wird aber eher zu einer Art mindcontroll Edwards über Bella, wenn er ihr befiehlt und sie folgsam gehorcht. Natürlich um mit dieser Unterwerfung unter die Anweisungen Edwards dann auch gerettet zu werden.

In der Twilight-Serie fungiert Edward als Neuauflage des Ritters in der weißen Rüstung, der kommt, um die Prinzessin zu retten. Die Rolle von Bella ist es dann auch vor allem durch ihren Ritter mit den spitzen Eckzähnen gerettet zu werden.
Sie geht eine Beziehung mit Edward ein, doch die Beziehung ist nicht gleichberechtigt. Sie ist eine junge Frau in der emotionalen Abhängigkeit von einem älteren Mann, sie „legte ergeben den Kopf an seine Brust“.
Die Rollenverteilung ist vorgestrig, aber auch der Verlauf der Geschichte ist vorhersehbar. Kein Buch, was mensch seiner kleinen Schwester schenken sollte. Gleiches gilt das für die Verfilmungen, die das Rollenbild kritiklos übernehmen.
Buffy ist besser als Twilight
Doch auf Vampire, Werwölfe und Action muss mensch deswegen trotzdem nicht verzichten. Es gibt ja noch die TV-Serien „Buffy“ und „True Blood“. In der witzigen Serie „Buffy“ kämpft sich die Vampir-Jägerin Buffy selbstständig durch die Finsternis der Nacht. In „True Blood“ geht die Kellnerin Sookie zwar auch Beziehungen zu älteren Vampiren ein, behauptet aber immer ihre Eigenständigkeit gegenüber diesen. In beiden Serien gibt es zudem auch nicht-heterosexuelle Beziehungen und Charaktere.

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Junge Alternative zeigt „Gesicht gegen verstaubte linke Ideologien!“ http://jetztreichts.blogsport.de/2014/04/04/junge-alternative-zeigt-gesicht-gegen-verstaubte-linke-ideologien/ http://jetztreichts.blogsport.de/2014/04/04/junge-alternative-zeigt-gesicht-gegen-verstaubte-linke-ideologien/#comments Fri, 04 Apr 2014 15:16:10 +0000 Administrator Allgemein http://jetztreichts.blogsport.de/2014/04/04/junge-alternative-zeigt-gesicht-gegen-verstaubte-linke-ideologien/ Die „Junge Alternative für Deutschland“, Nachwuchstruppe der „Alternative für Deutschland“, hat unter dem Motto „Gleichberechtigung statt Gleichmacherei“ eine Online-Kampagne gegen Feminismus gestartet. Es handelt sich um die Reaktion – im wahrsten Sinne des Wortes – auf eine Kampagne der Jusos. Die „Junge Alternative“ schrieb am 14. März 2014 auf Facebook:

Die Jugendorganisation der SPD hat eine Aktion gestartet, bei der sie Sprüche in der Hand hielten wie etwa: „Ich bin Feminist, denn wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“. Da wir uns „Vernunft statt Ideologie“ auf die Fahnen geschrieben haben, konnten wir dies nicht so im Raum stehen lassen. Deshalb zeigt die Junge Alternative Gesicht gegen verstaubte linke Ideologien!

Die Aktion besteht darin, dass Jungalternative und ihre Sympathisant/innen sich selber zeigen mit Schildern auf denen sie begründen, warum sie den Feminismus, bzw. das was sie darunter verstehen, ablehnen. Auf den Schildern ist dann z.B. zu lesen:

Ich bin keine Feministin, weil ich mir gerne die Türe aufhalten und in die Jacke helfen lasse!

Dass Frauen mit dieser Art der ‚Höflichkeit‘ generell als schwächer („schwächeres Geschlecht“) gekennzeichnet, scheint die Verfasserin dieser Zeile nicht zu stören

Ich stehe auf Frauen, die den Feminismus ablehnen weil ich wahre Weiblichkeit wunderschön finde!!!

Diese Botschaft wurde offenbar von einer Person mit einem Selbstverständnis als Mann verfasst, der Frauen* nur nach ihrem Aussehen beurteilt.

Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist – und nicht mein Klassenfeind!

Was Feminismus mit Klassenkampf zu tun haben soll, bleibt Geheimnis der Verfasserin. Das ein/e Partner/in ein ‚Fels in der Brandung‘ darstellen kann, ist ja schön, aber warum spricht das gegen den Feminismus? Ist dass das Klischee von der verbitterten und einsamen Feministin, was hier durchschimmert?

Ich bin kein Feminist, weil Familie wichtiger ist als Karriere und ich den Genderwahn stoppen will!

Der Urheber dieser ‚Weisheit‘ ist offenbar eine Person mit einem Selbstverständnis als Mann.
Im Kontext der Kampagne scheint er der Frau die Sphäre der Familie (u.a. Kindererziehung) zuzuordnen. Wohlgemerkt, dem Mann ist damit seine Karriere wichtiger als die seiner Partnerin.

Mit dieser dümmlichen Kampagne hat sich die „Alternative für Deutschland“ antifeministisch positioniert. Neben vielen anderen Gründen ein weiterer ihr nicht die Stimme zu geben.

LESETIPP: Merle Stöver: Genderwahn und Gleichmacherei – die „Junge Alternative“ der AfD offenbart ihr Frauenbild, 28. März 2014, http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/genderwahn-und-gleichmacherei-die-afd-offenbart-ihr-frauenbild-9367

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Ungeeigneter Schirmherr bei ‚One Billion Rising‘ in Tübingen http://jetztreichts.blogsport.de/2014/02/14/ungeeigneter-schirmherr-bei-one-billion-rising-in-tuebingen/ http://jetztreichts.blogsport.de/2014/02/14/ungeeigneter-schirmherr-bei-one-billion-rising-in-tuebingen/#comments Fri, 14 Feb 2014 15:07:28 +0000 Administrator Allgemein http://jetztreichts.blogsport.de/2014/02/14/ungeeigneter-schirmherr-bei-one-billion-rising-in-tuebingen/ Der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer ist der Schirmherr für die Tanz-Demonstration ‚One Billion Rising for Justice‘ in Tübingen, dem lokalen Ableger des weltweiten Aktionstag zur „Solidarität und Gerechtigkeit für Frauen!“ Das verwundert, hatte Palmer doch in Vergangenheit nicht gerade durch seine Sensibilität im Bereich Sexismus und Patriarchat von sich reden gemacht. Im Gegenteil, der Tübinger Oberbürgermeister scheute in Vergangenheit nicht den Auftritt bei Männerbünden und anderen frauenfeindlichen Gruppen.

Tübingen ist als kleine Universitätsstadt mit langer Geschichte Heimat von mehreren dutzend Studentenverbindungen. Bis auf zwei Bünde und zwei Damenverbindungen wird Frauen* der Eintritt in eine Studentenverbindung verwehrt. Damit sind Frauen* vom Zugang zu den elitären (Karriere-)Netzwerken der Verbinder als auch der preisgünstige Wohnraum auf den Verbindungshäusern generell ausgeschlossen.
Durch den weitgehend frauenfreien Raum in Studentenverbindungen, sind diese klassische Männerbünde.

Ein Männerbund ist eine Schwurgemeinschaft von Männern, die ein bestimmtes gemeinsames Ziel haben. Das Miteinander in einem Männerbund wird durch bestimmte feste Rituale und Regeln bestimmt, oft gibt es eine hierarchische Ordnung. Die Zugehörigkeit zum Männerbund wird häufig durch äußerliche Erkennungsmerkmale angezeigt (z.B. Symbole, bestimmte Kleidung, Haartracht, Tätowierungen). Frauen sind aus Männerbünden generell ausgeschlossen.

(Wikipedia)
Neben der vorgeblich höflichen Behandlung von Frauen* als „Damen“, die diese aber als „schwächeres Geschlecht“ kennzeichnet, finden sich bei vielen Studentenverbindungen sexistische Flyer, auf denen mit normierten Frauenkörpern oder -körperteilen für Partys geworben wird. Frauen* werden nicht als Individuum, sondern nur über ihre Geschlechts-Zuschreibung und ihr Äußeres wahrgenommen. Die Tübinger Landsmannschaft Schottland untertitelte ein Bild von Frauen* auf ihrer Homepage z.B. mit „dekoratives Element“.

Palmer nun weist ein ausgeprägtes Näheverhältnis zu diesen reaktionären Männerbünden in Tübingen auf, für die er regelmäßig als Redner auftritt.
Bereits vor seiner Oberbürgermeister-Zeit, soll er bei der katholischen Verbindung AV Alania in Stuttgart als Referent aufgetreten sein. Im Jahr 2006 wäre Boris Palmer auch fast auf einer der deutschnationalen Burschenschaft Arminia Straßburg aufgetreten. Angekündigt war bereits auf der Homepage für den 11. Juli 2006 die Podiumsdiskussion „Studiengebühren in Baden-Württemberg“ zwischen Wissenschaftsminister Frankenberg und Boris Palmer, damals Landtagsabgeordneter. Nur Proteste der grünen Parteibasis ließen Palmer Abstand von seinem Auftritt nehmen.
Palmer als Grüßaugust
Bei einer Festveranstaltung des „Arbeitskreis Tübinger Verbindungen“ (AKTV) am 5. Mai 2007 in der Neuen Aula sprach Boris Palmer vor dem Hauptreferenten Matthias Wissmann (CDU, MdB) mit dem Thema „50 Jahre Römische Verträge“ das Grußwort. Darin sprach sich Palmer für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Stadt Tübingen und den Tübinger Verbindungen aus. So sprach dann Palmer auch beim korporierten Bürgerfrühschoppen als Oberbürgermeister 2009, 2011 und 2013 ein Grußwort und war 2010 angekündigt, musste aber vertreten werden.
Zudem trat er am 18. Juni 2011 für die katholischen Verbindung A.V. Cheruskia Tübingen als Referent auf.

Auch zu einer evangelikalen Gruppe in Tübingen pflegt Palmer ein unkritisches Näheverhältnis. Evangelikale sind Protestant/innen, die sich durch ihr wortgetreues Verständnis der Bibel auszeichnen. Damit begründen sie u.a. auch, dass der Mann* das Oberhaupt der Familie zu sein habe.
Im Fall von Palmer ist die TOS-Gemeinschaft, früher „Tübinger Offensive Stadtmission“ gemeint. Palmer überließ der evangelikalen TOS zusammen mit der Gemeinderats-Mehrheit ohne Probleme ein Grundstück und hielt dann auch die Eröffnungsrede bei der Einweihung des auf diesem Grundstück neu gebauten TOS-Konferenz- und Gemeindezentrums.

Nun machen Näheverhältnisse und fehlende Kritik bzw. Distanz noch keine eigenen Inhalte. Doch können sie durchaus ein Hinweis auf solche sein. Ob Palmer sich schon sexistisch geäußert hat, ist unbekannt. Aber der funktionellen Homophobie ist er nicht abgeneigt. So schrieb Palmer in seinem internen Thesenpapier „Grünes Wachstum – um welchen Preis? Fünf Thesen zur Diskussion im Parteirat“ vom 23. Mai 2010, was der Presse zugespielt wurde:

Ja, die Gesellschaft bewegt sich auf uns zu. Und trotzdem ist es eine Illusion, zu glauben, wir könnten die Chance auf ein Wahlergebnis über 20% bei der nächsten Bundestagswahl wahren, ohne unsere Programmatik und unseren Auftritt zu verändern. Radikales Oppositionsgehabe und Fokussierung auf klassisch grüne Themen bindet die Kernwählerschaft, verschreckt aber Neugrüne. Selbst bei grünen Themen steht vieles in Frage, wenn wir das Wachstum sichern wollen. Das uneingeschränkte Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ist vorerst keine Forderung, mit der sich 25% der Deutschen gewinnen lassen.

Wenn die Mehrheit homophob ist und deswegen gegen das uneingeschränkte Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ist, dann will Palmer das Thema lieber unter den Tisch fallen lassen. Die Benachteiligung homosexueller Menschen gegenüber heterosexuellen scheint in dem Fall für Palmer ok zu gehen.
Ob dieser Mann wirklich der geeignete Schirmherr für ‚One Billion Rising‘ in Tübingen ist?

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Gestern: Knutschen gegen Homophobie http://jetztreichts.blogsport.de/2014/02/02/gestern-knutschen-gegen-homophobie/ http://jetztreichts.blogsport.de/2014/02/02/gestern-knutschen-gegen-homophobie/#comments Sun, 02 Feb 2014 15:20:56 +0000 Administrator Allgemein http://jetztreichts.blogsport.de/2014/02/02/gestern-knutschen-gegen-homophobie/ Gestern gab es in Stuttgart einen homophoben Aufmarsch, der aber durch engagierte Menschen gestoppt wurde. Bereits am Anfang drängelten sich immer wieder gleichgeschlechtliche Pärchen zum Mikrofon bei der Start-Kundgebung durch und bekundeten mit viel Zärtlichkeit, was sie von Homophobie halten.
Knutschen gegen Homophobie

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„Ingrow“ – ein sexistischer Provinz-Rapper aus Albstadt http://jetztreichts.blogsport.de/2013/12/29/ingrow-ein-sexistischer-provinz-rapper-aus-albstadt/ http://jetztreichts.blogsport.de/2013/12/29/ingrow-ein-sexistischer-provinz-rapper-aus-albstadt/#comments Sun, 29 Dec 2013 18:35:45 +0000 Administrator Allgemein http://jetztreichts.blogsport.de/2013/12/29/ingrow-ein-sexistischer-provinz-rapper-aus-albstadt/ *** Trigger-Warnung: Im folgenden Text werden sexistische Texte zitiert! ***
Antisexistische Aktion
Sich mit irgendwelchen unbekannten Provinz-Rappern und ihrem Sexismus über die Feststellung hinaus, dass das scheiße ist, auseinanderzusetzen, mögen viele als unnötig ansehen. Doch kann dieser Fall durchaus exemplarisch für viele andere genommen werden. Nicht nur bei „Ingrow“ kommt Hiphop mit dem Dreierpack Sexismus, Behindertenfeindlichkeit und Homophobie daher – wobei bei „Ingrow“ noch die Transphobie dazu kommt. Andererseits erscheint „Ingrow“ nochmal etwas ‚krasser‘ als viele andere Rapper*innen zu sein. So viel „Bitch“, „Hure“, „Fotze“, „Mongo“, „behindert“, „Krüppel“, „Horst“ und „schwul“ war schon lange nicht mehr im ‚künstlerischen‘ Werk eines Rappers zu hören. Auch „Zwitter“ und „Hermaphrodit“ werden bei ihm eindeutig als Schimpfwörter verwendet.
Wer ist also dieser Rapper mit dem Künstlernamen „Ingrow“? Er heißt mit bürgerlichen Namen Daniel Graef, Jahrgang 1986, und kommt aus Albstadt-Ebingen. Zwar soll „Ingrow“ bereits die 26 erreicht haben, aber aus der Pubertät ist er offenbar noch nicht entwachsen. Er besingt nämlich gerne mal seinen Penis und Hoden, wozu Sigmund Freud vermutlich einiges zu sagen hätte.

Vergewaltigungs-Rachefantasien
Offenbar hat „Ingrow“ Streit mit seiner Ex-Freundin gehabt – die an dieser Stelle nochmal herzlich zu ihrer Trennung von ihm beglückwünscht werden soll. Diesen Streit ‚verarbeitete‘ der Künstler in einem Track mit dem Titel „Ganz egal“. Herausgekommen ist dabei ein frauenfeindlicher Text, der eine offene Vergewaltigungs-Rachefantasie enthält:

Denn Du kleine Nutte wolltest ja nen anderen Schwanz /
Dieser Track hier zeigt Dir dass Du hundert andere haben kannst /
Du sollst ersticken an dem Dick der Dir im Halse steckt /
- steck den Lümmel tiefer – /
bis die Fotze an deinem Saft verreckt /
Du hast den letzten Funken Würde hiermit ganz verloren /
Dieser Track hat Dich zur größten Bitch der Welt erkoren /
Du warst besoffen und dir tut das ganze wirklich Leid /
Hoffentlich bekommst du Aids und stirbst mit einen Schwanz im Leib“
[…]
Plötzlich ist die Nutte still und schweigt /
Komm schon mach den Mund auf und halt ihn für nen Schwanz bereit /
Glaubst Du für mich war es schön Dir Hure zuzusehen /
[…]
…. einfach fremd zu gehen /
Glaubst Du ich fands cool bei Dir ins Zimmer reinzuplatzen /
und dann dich Nutte wegzuklatschen
[…]
Ich könnte kotzen wenn Du Flittchen meinen Namen nennst /
würgen wenn Du Männer am Geschmacke ihrer Samens erkennst /
Ich würd dir gern den Kopf mit einer Axt abtrennen /
Deinen toten Leichnam an den Kirchturm vor dem Haus hängen /
Ich hoffe das dich [sic!] ein Perverser so mal nachts auflauert /
dich erst vergewaltigt und stückchenweise einmauert /
Ich würde als Erinnerung an mich ein volles Gummi nehmen /
und mit deinem Bild von meinem Schwanz auf dein Grab legen

Auch andere Stücke sind kaum besser, so heißt es in dem Track mit dem einfallslosen Titel „whip ya nuts off“:

von dem was nachts auf meinem Doc [?] landet /
handelt davon wie ich deine Fotze gerade misshandle

Später wird im selben Track das N-Wort als Zitat von afroamerikanischen Rappern eingespielt. Allerdings ist „Ingrow“ selbst kein People of Colour, d.h. das ist bestimmt nicht Teil einer Empowerment-Strategie, sondern offenbar als Schimpfwort gemeint.

Kaum weniger sexistisch ist der Track „Wanda, die Wanderhure“, in der sich „Ingrow“ über eine Frau* auslässt, die gerne Sex mit wechselnden Partnern hat und angeblich auch mit ihm hatte. Sie wird als unhygienisch beschimpft („sie wirkt reinlich, doch alles nur Fassade / der Busch in ihren Schritt ist Vaginalpilzmaskerade“, „du bist einfach nur ein Krankheitsherd“). Doch obwohl er sie eklig findet, gibt er damit an mit ihr Sex gehabt zu haben („scheißegal einfach Augen zu / und steh ich morgens hängt sie als Saugnapf an meinem Lurch / echt ekelhaft, nicht mal Läuse siedeln ein / doch was solls, Jacki leer, ausgepackt und Schniedel rein“). Dazu dann immer der Refrain „Es ist Wanda, die Wanderhure […] sie ist ekelhaft, aber irgendwie auch geil“ bzw. „Es ist Wanda die Wanderhure / sie lutscht mein Hans, wenn ich mit nem Panda durchs Land toure“. Hier finden sich zwei typische Rollenbilder von Frauenfeinden. Sexuell eigenständige Frauen werden für ihr Handeln als „Huren“ etc. beschimpft und Mann selber nutzt das aber gerne, d.h. Frauen* sind nach dieser Vorstellung frei ‚verfügbar‘. Frauen sind bei „Ingrow“ also nur benutzbare Körper.

Im Track „ich hab dich nicht vergessen“ singt er offenbar von einem Freund, der ihn enttäuscht hat. Dieser wird, offensichtlich um ihn zu erniedrigen, zur Frau umgedichtet:

von der Freundin gefickt, in die Hölle geschickt wurde /
weil diese Bitch lieber gebückt wie ne Hure beglückt wurde /
[…]
ich fick Dich so oft Du kannst Dich gleich in einen spermaweißen Bach reinstürzen /
schau Dich an, Du bist ne ganz komische Marke. /
Was willst Du mir beweisen? /
Bah, ich scheiß auf dich, du kleine zarte /
gefickte Hure mit dem Aussehen einer Warze /
Du hast so wenig stolz, du leckst fremden Männer Eier /
Du hast so wenig stolz, Du fickst Freunde wie ein Geier

In dem Track „Kev ist dead“ heißt es sozialchauvinistisch: „wir wissen das du Junkie bist /
deine Alkie-Fahne hisst / du abgestürzter Säufer verkackst dein Leben und bist angepisst“
.

Was „Ingrow“ in seinem Text „VBT2011“ mit der Zeile „hätten wir jetzt 1940 würd ich glatt gasen“ meinte, will mensch lieber gar nicht so genau wissen.

Fazit: Das Privat ist politisch und die Musik ist auch!
Um sie schon mal vorweg zu nehmen, die üblichen Verteidigungsstrategien zu solchen Texten lauten:
A, Das meint der doch nicht so. Das ist nur Provokation.
- Jeder Mensch will ernst genommen werden mit seinen Aussagen. Das sei hiermit getan.
B, Der lebt halt auf diese Weise nen privaten Konflikt aus.
- Das kann niemals z.B. seine frauenverachtenden Rache-Fantasien entschuldigen.
C, So ist nun mal Hiphop.
Vielleicht sind viele artists so, aber das heißt ja noch lange nicht, dass es so sein muss.
D, Der ist doch kein Frauenfeind etc. Der hat noch nie eine Frau* misshandelt.
- Mal abgesehen davon, dass sich Sexismus nicht in gewalttätigen Übergriffen auf Frauen* erschöpft und selbst wenn er das noch nie getan hat – Textzeilen wie „und dann dich Nutte wegzuklatschen“ lassen das ernsthaft bezweifeln – er bereitet auf jeden Fall der Gewalt gegen Frauen* und Mädchen mit seinen Texten den Boden.

Das Problem ist aber nicht ein Rapper mit menschenverachtenden Texten wie „Ingrow“ allein. Der Typ hat ja ein soziales Umfeld, Konsument*innen und ist organisiert. Auch hat ihm ein Drehteam mit dem Namen „Ofura“ aus Albstadt Hilfe für den Videodreh angeboten. In dem 2013 gegründeten Verein „Albstadt Art Connection e.V.“ (AAC) ist er sogar der stellvertretende Vorsitzender.
Niemand scheint offenbar großartig Probleme mit ihm und seinen hass-zerfressenen Texten zu haben. Auch die Presse nicht. So erschien am 13. Juni 2013 ein extrem unkritischer Artikel mit dem vielsagenden Titel „Ausdrucksstarker Rap“ in der „Hohenzollerischen Zeitung“ der „Südwest-Presse“. In dem Artikel aus der Feder von Olga Schwab heißt es ernsthaft:

Neben markanten und provokanten Battle-Reimen schlagen sich nicht selten auch durchdachte, tiefgründige, aber auch selbstironische Textpassagen durch. »Ich mag es auch ab und zu langsame Sachen zu machen, welche den Hörer zum Denken anregen sollen.«

Ist die Journalistin echt dieser Meinung oder hat sie nicht genau hingehört?
Natürlich könnte mensch auch diesen Typen mit seiner sich frühkindlich ausnehmenden Genitalfixierung der durch sexistischen Rap, Fitnessstudio und lächerliches Muskelshirt-Outfit eindeutig irgendwas zu kompensieren versucht, einfach links liegen lassen. Vielleicht war ja der Platz 54 der deutschen Videocharts schon der Höhepunkt seiner Provinz-Rapper-Karriere. Doch das wäre falsch. Sexismus, Homophobie, Behindertenfeindlichkeit, Rassismus, NS-Verharmlosung und Sozialchauvinismus sollte auch widersprochen werden, wenn diese Formen der Menschenfeindlichkeit aus dem Mund von einem unwichtigen Provinzrapper kommen, der selbst in seinem Track „Ich bin behindert“ zugibt: „Tut mir Leid mein Kopf ist momentan verhindert“. Wie wahr. „Ingrow“ selbst wird in dem oben benannten Artikel zitiert mit den Worten: „Ich liebe es, harte Aussagen zu bringen.“ Es sind aber keine ‚harten‘ Aussagen, sondern widerwärtiger Dreck, der da aus seinem Mund kommt. „Ingrow“ selbst gibt an, genau deshalb mache er Rap: „Es ist einfach alles erlaubt.“ Offenbar gibt es in Albstadt ein ruhiges Hinterland für Sexisten. Wird Zeit das sich das mal ändert!

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Happy Birthday Nadia! http://jetztreichts.blogsport.de/2013/11/11/happy-birthday-nadia/ http://jetztreichts.blogsport.de/2013/11/11/happy-birthday-nadia/#comments Mon, 11 Nov 2013 14:40:28 +0000 Administrator Allgemein http://jetztreichts.blogsport.de/2013/11/11/happy-birthday-nadia/ Happy Birthday Nadia!

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Sexismus meets Rassismus http://jetztreichts.blogsport.de/2013/10/24/sexismus-meets-rassismus/ http://jetztreichts.blogsport.de/2013/10/24/sexismus-meets-rassismus/#comments Thu, 24 Oct 2013 12:41:10 +0000 Administrator Allgemein http://jetztreichts.blogsport.de/2013/10/24/sexismus-meets-rassismus/

Nur 19% der deutschen Männer wollen sich laut der Studie „Männer in Bewegung“ gleichberechtigt mit ihrer Partnerin Küche und Karriere teilen. 25% sind „Teiltraditionelle“, die weitgehend bei der herkömmlichen Arbeitsteilung der Geschlechter bleiben wollen. Da es jedoch unter den Frauen nur 13% gibt, die ebenso traditionell denken, finden solche Männer immer weniger gleich gesinnte Frauen. Fast 2/3 dieser „teiltraditionellen“ Männer haben eine hohe Gewaltakzeptanz: Sie sind der Ansicht, „die weiße Rasse“ sei anderen Rassen überlegen, Kinder dürften geschlagen werden, damit sie zur Vernunft kämen, oder Frauen, die vergewaltigt wurden, hätten im Zweifelsfall den Täter provoziert.

Quelle: Ute Scheub, Yvonne Kuschel: Beschissatlas, München, 2. Auflage 2012

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